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Mut ist das Tor zur Wahrheit!

pfarrer aula 2022 1k… so sieht es zumindest Pfarrer Taatz, der am Donnerstag, den 15.12.2022, eine Gesprächsrunde mit den Geschichtskursen der 12. Klasse abhielt. Thema war dabei das Lager Mühlberg. Das Hauptaugenmerk lag auf der Nutzung als Kriegsgefangenenlager zur NS-Zeit (STALAG IVB, 1939-1945) und als Speziallager der Sowjetunion in der unmittelbaren Nachkriegszeit (Speziallager 1, 1945-1948). Ersteres war typisch für die damalige Zeit. Wider erwartend gab es eine eigene Kapelle und sogar ein Universitätshaus, in dem regelmäßige Vorlesungen abgehalten und anerkannte Abschlüsse gemacht wurden. Das heißt jedoch keinesfalls, dass die Umstände im Lager und der Umgang mit den Häftlingen gut waren. Zu Hochzeiten waren über 25.000 Insassen inhaftiert. Zudem galt es als eines der größten Durchgangslager im nationalsozialistischen Hoheitsgebiet und über 300.000 Kriegsgefangene passierten es, bevor sie in ein anderes Lager kamen.

Das Speziallager und dessen Existenz hingegen wurde von der Stasi und von Inhaftierten, die eine Schweigepflicht einzuhalten hatten, streng geheim gehalten. Apropos Inhaftierte: Viele von den angeblichen Straftätern wurden willkürlich und ohne bestimmte Arrestzeit festgehalten. Keiner von den 21.000 Häftlingen erhielt einen Prozess und rund 1/3 starben. Viele weitere wurden in Arbeitslager nach Sibirien deportiert. Doch selbst nach ihrer Freilassung sind viele der Inhaftierten noch traumatisiert, und ihre Familien haben bis heute mit diesem Trauma zu kämpfen.

Über die Geschichte des Speziallagers war, aus genannten Gründen, so gut wie nichts bekannt als Herr Taatz 1988 als Pfarrer nach Mühlberg kam. Durch einen Zufall erfuhr er, dass sein Opa, der angeblich im Krieg gefallen war, tatsächlich 1947 im Speziallager Mühlberg verstarb. Von da an war ihm klar, dass es sicherlich noch unzählige weitere ungelüftete Geheimnisse um dieses Lager geben musste, die er seitdem versucht, offenzulegen. So existiert die Initiativgruppe „Lager Mühlberg“ schon seit über 30 Jahren. Doch für ihn ist es das größte Ziel, das Lager als Stätte der kollektiven Erinnerung zu nutzen, und er appelliert an unsere Generation, dass wir es nicht in Vergessenheit geraten lassen und es weiterhin interessierte Personen gibt, die eines Tages seine Arbeit weiterführen. Doch wie erinnern wir an einen solchen Ort, mit so gespaltener Geschichte? Pfarrer Taatz ist der festen Überzeugung, dass wir das Gedenken vereinen müssen. Besonders im Kriegsgefangenlager und späterem Speziallager Mühlberg wurden aus Opfern Täter und genau andersrum. „Wenn wir die Leute noch im Tod auseinanderreißen, dann machen wir etwas falsch.“ Deswegen gibt es seit dem 1.9.1990 einen gemeinsamen Gedenktag für die Verstorbenen der Lager, deren Angehörige und Familien. Ursprünglich galt dieser Gedenktag nur den Betroffenen des Speziallagers, doch aus vorgenannter Intension von Pfarrer Taatz wohnen dem Gedenktag nun Betroffene beider Episoden des Lagers bei. Häufig erreichen ihn Bücher, Zeichnungen oder sogar Notensätze der Lager. Erinnerungsstücke die fast 80 Jahre verschollen waren und durch die Familien der Angehörigen und Herrn Taatz nun wieder ans Licht kommen und aufgearbeitet werden.

Doch die Zahl der Zeitzeugen wird immer geringer, weswegen Herr Taatz und seine Initiativgruppe es sich nun zur Aufgabe machen, alle Hinterlassenschaften, also Briefe, Bilder, Lagerpläne etc. zu digitalisieren. Außerdem organisieren sie weiterhin die Gedenktreffen und Pfarrer Taatz führt viele Gesprächsrunden, wie an unserer Schule durch. Denn das Wichtigste ist, dass diese Episode unserer regionalen Geschichte nicht in Vergessenheit gerät.

„Wenn wir uns nicht erinnern, holt es uns schneller ein, als wir denken.“

Maximilian Heide

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